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Nachhaltige Kleidung! Die wichtigsten Gütesiegel und Zertifikate

Nachhaltige Kleidung! Die wichtigsten Gütesiegel und Zertifikate | Blogartikel von Molemin

Das perfekte Kleidungsstück ist nicht nur schön, fühlt sich gut an und sitzt perfekt, sondern wurde auch fair und nachhaltig produziert. Das heisst zur Herstellung wurden keine giftigen Chemikalien verwendet, nicht Unmengen an Wasser verbraucht und verschmutzt, alle Beteiligten wurden für geregelte Arbeitszeiten unter guten Bedingungen fair bezahlt. Aber wie erkennt man das beim Kleiderkauf?

Erste Hinweise liefert die Etikette am Kleidungsstück. Neben Material, Pflegehinweise und Herstellungsland sind da, wenn vorhanden, auch Gütesiegel oder Zertifikate aufgeführt. Als Entscheidungshilfe für deinen nächsten Einkauf haben wir die wichtigsten Labels, die für eine nachhaltige Produktion stehen, zusammengestellt:

Global Organic Textile Standard - GOTS

Der Global Organic Textile Standard, kurz GOTS, ist sicher das Bekannteste unter den Ökotextil-Siegeln. Es ist als weltweiter Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. Hier schauen sich die Zertifizierer die gesamte Produktions- und Lieferkette genauer an, vom Rohstoffanbau bis zum Endprodukt. Dabei ist die Einhaltung sozialer Mindeststandards, wie zum Beispiel das Verbot von Zwangs-, Sklaven- und Kinderarbeit und faire Bezahlung, genauso wichtig, wie der Umweltschutz. Alle verarbeitenden-, herstellenden- und am Handel von Textilien beteiligten Unternehmen müssen zertifiziert sein, damit ein Produkt das GOTS-Siegel tragen darf. Die Zertifizierung erfolgt durch unabhängige Zertifizierungsfirmen und bedingt eine jährliche vor-Ort-Inspektion. GOTS verbietet gefährliche Chemikalien in der Produktion und die Fasern, die für die Kleidung zum Einsatz kommen, müssen zu mindestens 70% aus Bio-Naturfasern bestehen.

NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST

Das IVN BEST-Siegel ist vor allem im europäischen Raum bekannt und spiegelt die vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e. V. (IVN) entworfenen Richtlinien für Naturtextilien wider. Sie bildet, wie bei GOTS, die gesamte textile Produktionskette ab, in ökologischer und sozialverantwortlicher Hinsicht. Die Kleidung, die mit diesem Siegel zertifiziert ist, ist ausserdem zu keiner Zeit – vom Anbau der Faser bis zur Fertigstellung – mit Chemikalien in Berührung gekommen.

Anders als beim GOTS-Standard, schliesst IVN BEST Synthetikfasern konsequent aus und verhindert damit Mischfaserkleidung. Das Siegel gilt also nur für Produkte, deren Textil zu 100% aus kontrolliert biologisch angebauten Naturfasern besteht oder zu 100% aus kontrolliert biologischer Tierhaltung stammt. Weitere Informationen gibt es auf der Seite des internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft (IVN).

Kontrolliert biologischer Anbau (kbA) und Tierhaltung (kbT)

Immer wieder findet sich auf den Etiketten auch der Vermerk kbA oder kbT. Diese Kürzel geben ebenfalls wichtige Hinweise zur Produktion des Rohstoffes in deinem Kleidungsstück. Die Bezeichnung kbA steht für einen kontrolliert biologischen Anbau. Der Bio-Baumwollanbau erfolgt ohne chemisch-synthetische Düngemittel, Pestizide sind nicht erlaubt und gentechnisch verändertes Saatgut ist tabu. Ein kbA-Siegel kann nur erhalten, wer den Boden für mindestens drei Jahre chemiefrei bewirtschaftet.

kbT steht für kontrolliert biologische Tierhaltung. Dabei geht es primär nicht um die Weiden, sondern um die Behandlung der Tiere selbst. Pestizide werden bei konventioneller Tierhaltung gegen Parasiten eingesetzt und sind bei der kontrolliert biologischen Tierhaltung verboten. KbT schreibt ausserdem ausreichend Auslauf und Zugang zu Weideflächen vor, definiert, wie Ställe tierschutzgerecht aussehen müssen und legt die artgerechte Fütterung mit biologisch angebautem Futter fest.

kbA und kbT sind gesetzlich geschützte Begriffe. In der Europäischen Union (EU) müssen Produzenten die strengen EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau einhalten. Sie setzten einen europaweit geltenden Standard für Bio-Produkte. Für die Umsetzung der Richtlinie ist in Deutschland das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zuständig. Es benennt staatlich zugelassene Prüfstellen, die dann regelmässige Kontrollen durchführen. Für das Bio-Label ist eine lückenlose Dokumentation notwendig: Beim kbT, zum Beispiel, beginnt das bei den Futtermitteln und reicht bis zum Rohstoff, der Wolle. In die EU eingeführte Wolle kann durchaus die Kennzeichnung kbT tragen, vorausgesetzt, dass auch im Herkunftsland die Haltungsform der Tiere nachweislich dem EU-Standard entspricht.

In der Schweiz wird jeder Betrieb, der biologische Erzeugnisse herstellt, aufbereitet, handelt oder importiert, mindestens einmal pro Jahr von einer von vier in der Schweiz akkreditierten und zugelassenen Zertifizierungsstellen kontrolliert und zertifiziert. Bio-Produkte, die durch EU-anerkannte Drittland-Kontrollstellen zertifiziert werden, dürfen auch in die Schweiz eingeführt werden und dürfen das Bio-Siegel tragen.

FAIRTRADE Cotton und Textiles

Ein Produkt mit dem FAIRTRADE-Zeichen bedeutet, dass die Produzenten und Unternehmen international vereinbarte soziale, ökologische und ökonomische Standards erfüllen, die von unabhängiger Seite zertifiziert wurden.

Für die Bekleidungsindustrie wichtig sind zwei FAIRTRADE-Labels: das FAIRTRADE-Produkt-Siegel für Baumwolle (FAIRTRADE Cotton) und das FAIRTRADE-Produkt-Siegel für die Textilproduktion (FAIRTRADE Textiles). FAIRTRADE Cotton deckt die erste Stufe der Textilproduktion ab und steht für umweltschonende, fair angebaute und gehandelte Rohbaumwolle. Wichtig zu wissen: Es handelt sich nicht automatisch um Bio-Baumwolle. Der Einsatz von Chemikalien wird streng kontrolliert und die Umstellung auf Bio-Anbau wird gefördert.

Von der Rohbaumwolle bis zum fertigen Produkt setzt das Label FAIRTRADE Textiles an. Es kennzeichnet Produkte, bei denen die gesamte Textillieferkette nach FAIRTRADE-Standards zertifiziert ist, nicht nur die Baumwollproduktion. Er achtet auch auf faire Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette. Das FAIRTRADE Siegel bekommt nur, wer zu 100% fair produziert.

OEKO-TEX STANDARD 100, MADE IN GREEN und STeP

Das Label OEKO-TEX besteht aus unabhängigen Textil- und Lederprüfinstituten in Europa und Japan mit Niederlassungen in mehr als 70 Ländern, die gemeinsam an der Entwicklung von Testmethoden arbeiten und Grenzwerte festlegen. Insgesamt gibt es sechs OEKO-TEX Standards nach denen Produkte oder Betriebe bewertet werden. Unabhängige Institute führen sowohl Labortests als auch Unternehmensaudits dafür durch. Wir beschränken uns hier auf die Labels OEKO-TEX® STANDARD 100, OEKO-TEX® MADE IN GREEN und OEKO‑TEX® STeP.


Der STANDARD 100 ist eines der am weitesten verbreiteten Standards und dient in erster Linie dem Verbraucherschutz. Es prüft Textilien danach, ob sie Schadstoffruckstände aufweisen. Ist ein textiler Artikel mit dem STANDARD 100-Label ausgezeichnet, wurden alle Bestandteile dieses Artikels, d.h. auch alle Fäden, Knöpfe und sonstige Accessoires, auf Schadstoffe geprüft und der Artikel ist gesundheitlich unbedenklich. Am OEKO-TEX STANDARD 100-Zertifikat gibt es jedoch auch Kritik: Greenpeace zum Beispiel bemängelt, dass lediglich die Schadstoffrückstände am fertigen Produkt geprüft werden, nicht jedoch die Herstellungsbedingungen.


Das MADE IN GREEN-Textilsiegel geht da einen Schritt weiter: Endprodukte müssen sowohl nach dem OEKO-TEX STANDARD 100 allesamt schadstoffgeprüft sein. Zusätzlich unterliegen Produktionsbetriebe aller Verarbeitungsstufen in der Textil- und Lederindustrie dem Nachhaltigkeitsprogramm STeP. Sie werden auf mögliche Chemikalien, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit sowie ihre soziale Verantwortung, ihr Chemikalien-, Umwelt- und Qualitätsmanagement geprüft. Das Besondere am MADE IN GREEN-Label ist, dass es die Produktionskette transparent macht. Mithilfe einer Produkt-ID oder eines QR-Codes wird die gesamte Lieferkette sowie die Produktionsstätte transparent dargestellt und bewertet.
Im Gegensatz zum IVN Best-Siegel, welches Mischfasern konsequent ausschliesst, zertifiziert OEKO-TEX – sowohl beim STANDARD 100 als auch bei MADE IN GREEN – alle Fasern, auch schlecht recycelbare Recycling- und Mischfasern, was laut Greenpeace die Kreislauffähigkeit der Textilien einschränkt.

Grüner Knopf

Das staatliche Textilsiegel Grüner Knopf wurde im September 2019 vom deutschen Bundesentwicklungsministerium ins Leben gerufen. Ziel ist der Schutz von Mensch und Umwelt in der gesamten Lieferkette – von der Faser bis zum Bügel. Das Label prüft, ob Unternehmen Verantwortung für die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards in ihren Lieferketten übernehmen. Zusätzlich muss durch anerkannte Siegel nachgewiesen werden, dass das jeweilige Produkt sozial und ökologisch hergestellt wurde. Auch an diesem Label gibt es Kritik. Die beiden Nichtregierungsorganisationen Femnet und Public Eye bemängeln, dass Standard und Prüfprozess des Grünen Knopfes Mängel aufweisen, und so ziere das Label auch Produkte von Unternehmen, die die Einhaltung von Menschenrechten nur unzureichend sicherstellen.

Responsible Wool Standard (RWS)

Der Responsible Wool Standard (RWS) ist ein freiwilliger globaler Standard, der Schafe und das Land, auf dem sie grasen, schützen soll. Er verlangt, dass alle Standorte, von den Wollzüchtern bis zu den Verkäufern, zertifiziert werden. RWS-Landwirte und Viehzüchter müssen Tierschutz-, Landmanagement- und soziale Anforderungen erfüllen. Der RWS überprüft die Praktiken der Farmen und bietet Unternehmen so die Gewissheit, dass die Herkunftsangaben der Wolle korrekt sind.

Global Recycled Standard – GRS

Der Global Recycled Standard (GRS) wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, mehr Bewusstsein für die Verwendung von recycelten Materialien zu schaffen. Er wird von einer gemeinnützigen Organisation, Textile Exchange, geführt. Der GRS hat das Ziel, den genauen Anteil an recycelten Materialien in Produkten zu erfassen und die Zusammensetzung transparenter zu machen. Als recyceltes Basismaterial sind dabei Industrie-Abfälle (Pre-Consumer-Abfälle) und Abfälle, die durch den privaten Endverbrauch entstehen (Post-Consumer-Abfälle) zugelassen. Der GRS stellt unter anderem sicher, dass die recycelten Materialien ganz genau zurückverfolgt werden können. Er legt ausserdem Standards für die Produktion fest, um schädliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu verringern. Die Produkte, die das GRS-Zertifikat tragen, enthalten zu mindestens 50% recycelte Materialien.

spiel gut-Siegel

Das spiel gut-Siegel ist eine der wichtigsten Auszeichnungen für pädagogisch wertvolles Spielzeug in Deutschland. Hinter dem Spielwaren-Qualitätssiegel spiel gut steckt ein gemeinnütziger Verein, der Spielsachen für Kinder von 0 bis 14 Jahren nach bestimmten Kriterien begutachtet und im Praxistext sowie durch ehrenamtliche Fachleute bewertet. In einem Jahr werden ungefähr 600 neue Spielsachen getestet.

Fazit

Diese Liste von Gütesiegeln und Zertifikaten ist natürlich noch lange nicht vollständig, aber es sind die, die bei uns im Laden öfters anzutreffen sind. Sie bieten sowohl den Kunden als auch uns eine gute Grundlage für die Kaufentscheidung für oder gegen ein Produkt oder eine Kleidungsmarke. «Made in China» auf dem Etikett muss also nicht automatisch abschrecken. Wenn das Kleidungsstück nach strengen Kriterien zertifiziert ist und zum Beispiel das GOTS oder das IVN Best-Siegel trägt, garantiert das, dass sowohl ökologische als auch soziale Standards entlang der ganzen Lieferkette eingehalten wurden – vom Herkunftsland bis hin zum Endverbrauch.

Aber auch Kleider-Labels ohne Zertifikat oder Güte-Siegel können natürlich ökologisch und sozialverantwortlich produzieren. Zertifizierungen sind auch eine Kostenfrage: Für das GOTS-Siegel zum Beispiel müssen Unternehmen grob geschätzt mit jährlichen Zertifizierungskosten zwischen 1.200 und 3.000 Schweizer Franken rechnen. Und alle Verarbeitungs- und Herstellungsbetriebe entlang der Textilproduktion müssen eine GOTS-Zertifizierung haben, damit das Siegel ein Kleidungsstück zieren darf.

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