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Textilrecycling macht ökologisch Sinn - Beitrag zu recycelter Mode

Textilrecycling macht ökologisch Sinn - Beitrag zu recycelter Mode

Wer recycelt, leistet einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Umwelt und der Ressourcen. Materialien werden zurück in den Wertstoffkreislauf geführt, die Abfallmenge wird verringert und knapper werdende Rohstoffe werden geschont. Was spricht noch dafür oder dagegen? Wie werden Materialien recycelt und was sollte ich als Käufer/in recycelter Mode wissen? Wir haben dazu mit einigen unseren Herstellern, die selbst Produkte aus recycelten Materialien herstellen, gesprochen.

Recycling, also die Aufbereitung und Wiederverwendung bereits benutzter Rohstoffe, ist keine neue Idee. Schon im Mittelalter gab es Schrott- und Lumpensammler, die sich um das Einsammeln, Sortieren und Weiterleiten von wiederverwertbarem Material kümmerten. Aber erst mit dem Aufkommen der Umweltbewegung in den 1970/80er Jahren wurde die Idee der Mülltrennung populär und fand allgemeine Akzeptanz. Ganz selbstverständlich werden heute Papier, Glas, PET und Alu getrennt und recycelt. Aber was passiert mit Kleidern, die ausgedient haben? Wie lassen die sich wiederverwenden? In Europa fallen laut einer Studie von McKinsey derzeit jährlich 7 bis 7,5 Millionen Tonnen Textilmüll an, aber nur etwa 30 bis 35% werden getrennt gesammelt und weniger als 1% wird derzeit zu neuer Kleidung recycelt.

 

Wie funktionierts? Woll- und Baumwoll-Recycling

Nach Farben vorsortierter Wollstoff wird mechanisch in seine Einzelteile zerlegt und heraus kommen farbige Wollfasern. Die sind allerdings kürzer als «frische» Fasern und müssen meist mit weiteren, längeren Frischfasern zu neuem Garn versponnen werden. Wenn dafür keine neue Schafwolle zum Einsatz kommt, kann das Recycling-Textil danach kein weiteres Mal in sortenreine Fasern zerlegt werden.

Dasselbe Recycling-Prozedere gilt auch für Baumwollkleidung: Reine Baumwoll-Stoffe werden nach Farbe sortiert und zerkleinert. Auch hier müssen lange, «neue» Baumwollfasern beigemischt werden, um ein hochwertiges, haltbares Textil herstellen zu können.

Ganz klar: Textilrecycling macht ökologisch Sinn. Für recycelte Wolle müssen keine Schafe gezüchtet, gefüttert und geschoren werden. Bei der Baumwolle wird das für den Anbau benötigte Wasser gespart. Ausserdem werden Landverbrauch und Emissionen verringert. Der Energieeinsatz für die mechanische Zerkleinerung ist gegen diese Einsparungen absolut vernachlässigbar. Und da die Fasern vor dem Zerkleinern nach Farbe sortiert werden, entfällt zum Teil auch ein weiterer Färbeprozess mitsamt dem dafür notwendigen Chemikalien- und Wassereinsatz. Mehr dazu kannst du in dieser BBC Reportage (auf englisch) erfahren.

 

Stoff aus PET-Flaschen?

PET-Flaschen und Polyesterstoff bestehen aus demselben Grundstoff: PolyEthylenTerephthalat, kurz PET. Aus einem Teil des gigantischen Plastikbergs, den wir jedes Jahr produzieren – laut Swiss Recycling landen in der Schweiz jährlich über 1,3 Milliarden PET-Getränkeflaschen im Recycling – entsteht neues Polyestergarn. Dazu werden die gebrauchten Einwegflaschen aus Plastik gesammelt und gereinigt, danach in kleine Schnipsel zerkleinert, die dann zu feinem Granulat verarbeitet werden. Aus dem Granulat entsteht schlussendlich das recycelte Polyestergarn. Polyester-Fasern aus Recycling-PET haben dieselben Eigenschaften und dieselbe Qualität wie neues Polyester. Der einzige Unterschied ist, dass Recycling-PET aufgrund der unvermeidbaren Vermischung mit andersfarbigem PET nicht ganz so rein weiss wird, wie neues PET.

Da heute laut Greenpeace bis zu 60% aller neu hergestellten Kleidungsstücke ganz oder teilweise aus Polyester bestehen, liegt es nahe den Plastikflaschen-Berg sinnvoll weiterzuverwenden und der Kleidungsindustrie zuzuführen. Recyceltes PET (R-PET) ist in der Herstellung deutlich nachhaltiger als neues Material und spart erheblich CO2. Ausserdem spart 1 Tonne recycelter PET-Getränkeflaschen so viel Energie ein wie eine 12 Watt Energiesparlampe während 52 Jahren benötigt (mehr dazu hier: Swiss Recycling). Das Problem Mikroplastik durch ausgewaschene Fasern bleibt jedoch auch beim recycelten PET bestehen. Da kann jedoch ein Mikroplastik-Filter an der Waschmaschine Abhilfe schaffen.

Die deutsche Marke LÄSSIG benutzt in ihrer Produktion recyceltes Polyester, recycelte Baumwolle, recycelte Zellulose (als Kunststoffbeimischung und Alternative zu erdölbasierten Rohstoffen) und recyceltes Polyamid/Nylon (Fasermaterial für Bänder). Bei der Auswahl prüfen sie die Materialien, ihre Herkunft sowie das Recyclingverfahren und entscheiden produktbezogen je nach Verfügbarkeit, spezifischen Produktvorgaben, Prozessanforderungen oder auch individuellen Nachhaltigkeitsbewertungen. «Zu den Fragen, die wir uns täglich stellen, gehören neben der Festlegung unserer Produktwelten (WAS tun wir), natürlich auch das WIE. Dazu gehört die genaue Betrachtung von mehreren Aspekten: angefangen bei den Lieferant/innen über das Produktdesign, die Materialauswahl, die Verpackung bis hin zu Produktionsprozessen und Vertriebswegen. Dabei berücksichtigen wir stets den gesamten Lebenszyklus des Produktes und stimmen alle Entwicklungsschritte aufeinander ab», betont Claudia Stör, Head of Quality, Innovation & Sustainability Management bei LÄSSIG.

 

Nachteile von Recyclingmaterialien

Durch Recyclingprozesse werden Materialien in ihren Eigenschaften verändert: «Recyclingzyklen sind oftmals limitiert, das heisst Materialien können nicht endlos recycelt werden. Um dem entgegenzuwirken, werden dem Rezyklat, welches tendenziell etwas sensibler ist, oft Zusatzstoffe beigemischt. Recycelte Ananasfasern werden zum Beispiel mit resistenteren recycelten Polyesterfasern gemischt oder recycelte Baumwolle mit einem Polyestergemisch versehen. Durch diese Laminierungen verlieren die Ausgangsstoffe jedoch ihre Recyclingfähigkeit. Deswegen ist es wichtig, den gesamten Produktlebenszyklus beim Einsatz von geeigneten Materialien zu betrachten», erklärt Claudia von LÄSSIG.

Eine weitere Folge von recycelten Materialien ist, wie oben erwähnt, Mikroplastik: Mikropartikel sind bereits heute mit einem geringen Anteil recycelter Rohstoffe ein Problem. Und insbesondere mechanisches Recycling verstärkt die Tendenz zu Mikrofragmentierung. Aber im Moment stammt mit Abstand der grösste Teil des aktuell vorhandenen Bestandes an Mikropartikel in der Natur aus Reifenabrieb, wie 2020 eine Studie des deutschen Umweltministeriums aufzeigte. Und zuletzt fallen bei chemischem Recycling, welches chemische Substanzen benötigt, Rückstände an.

«Trotz aller oben genannten Nachteile sind recycelte Materialien ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit und oftmals ist Recycling tatsächlich nach ‹Reduce› (Verzicht), ‹Reuse› (Second Hand) und ‹Repair›, die sinnvollste Lösung. Recycling bedeutet nicht nur eine Einsparung limitierter Erdölressourcen», erklärt Claudia von LÄSSIG und fügt an: «Es führt zur vermehrten Nachfrage von Recyclingmaterialien. Dies fördert die Weiterentwicklung von Recyclingströmen, die einen aktiven Beitrag zur Lösung unserer Müllprobleme leisten können.»

 

Wer kontrolliert?

Das wichtigste Zertifikat für recycelte Materialien in der Textilbranche ist der Global Recycled Standard (GRS). Entwickelt wurde er 2008 von der Control Union Certifications. Seit 2011 hat die Non-Profit-Organisation Textile Exchange die Verantwortung für das Siegel. Ziel der Organisation ist eine globale Textilindustrie, die vorrangig mit einem ganzheitlichen Konzept zu Umwelt- und Klimaschutz beiträgt. Unter anderem sollen bis 2030 die Treibhausgasemissionen in der Textilbranche um 45% reduziert werden.

Der GRS hat das Ziel, den genauen Anteil an recycelten Materialien in Produkten zu erfassen und die Zusammensetzung transparenter zu machen. Als recyceltes Basismaterial sind dabei Industrie-Abfälle (Pre-Consumer-Abfälle) und Abfälle, die durch den privaten Endverbrauch entstehen (Post-Consumer-Abfälle) zugelassen. Der GRS stellt unter anderem sicher, dass die recycelten Materialien ganz genau zurückverfolgt werden können. Er legt ausserdem Standards für die Produktion fest, um schädliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu verringern.

 

Warum recycelte Materialien verwenden?

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Produkten, die aus recycelten Materialien hergestellt werden. Wir bei Molemin haben zum Beispiel Bademode von LÄSSIG und KidWild sowie Regenjacken von Derbe, die aus recyceltem Polyester hergestellt werden, Matona verwendet recycelte Wolle und Polyamid in ihren Herbst-/Winterkollektionen, Filz aus Merinowoll-Schnittresten wird zu süssen Babyschühchen von Disana und einige Modelle der Collégien-Haussocken werden aus recycelter Baumwolle oder ebenfalls aus recyceltem Plastikmüll gefertigt.

«Gerade in der heutigen Zeit wird es immer wichtiger, vorhandene Ressourcen zu nutzen und sparsam mit den Rohstoffen umzugehen», betonen auch Katharina und David, Gründerpaar von Matona. «Uns ist das Gesamtpaket wichtig bei den Materialien, die wir verwenden. Dass es sowohl hochwertige Rohstoffe sind, die Qualität passt und sie wirklich nachhaltig sind.» Matona verwendet seit einigen Herbst-/Winterkollektionen ein italienisches Garn, welches aus 10% recyceltem Kaschmir, 30% recycelter Wolle, 30% recyceltem Polyamid und 30% Tencel (Lyocell) besteht. Der Kaschmir und die Wolle sind GRS-zertifiziert und stammen zu 100% von Post-Consumer Recycling. Das Polyamid ist zu 100% aus Pre-Consumer Recycling. «Mischgarne aus recycelten Materialen vereinen die vielen positiven Eigenschaften der verschiedenen Materialien in einem Garn», betont Katharina von Matona und führt weiter aus: «Kaschmir und Wolle: keine starke Geruchsbildung, weicher und natürlicher Griff, feuchtigkeits- und wärmeregulierend. Gemischt mit Polyamid: hohe Licht/Farbechtheit, hohe Elastizität, wenig Pilling. Zusammen ergibt das ein hochwertiges, nachhaltiges Garn.» «Bei einem 300 Gramm schweren Pullover, ohne auf Qualität zu verzichten, werden durch die Verwendung dieser recycelten Rohstoffe bis zu 22.000 Liter Wasser gespart, Umweltverschmutzung, Treibhausgasemissionen, Textilabfälle und der Verbrauch von Energie und knappen Ressourcen reduziert», fügt David hinzu.

Der französische Haussocken-, Socken- und Strumpfproduzent Collégien verwendet für eine ihrer Haussockenlinien recycelte Baumwollgarne, welche GRS-zertifiziert sind. Für die «For A Clean Ocean» Kollektion benutzen sie die Faser SEAQUAL® YARN, zu 100% aus recyceltem Plastik, das aus dem Müll der Weltmeere hergestellt wird. «Bei Collégien wollen wir aktiv zum Schutz und zur Verbesserung unserer Umwelt beitragen. Dabei geht es insbesondere um ein ernsthaftes Engagement für eine immer nachhaltigere Produktion», meint Olivier Guille, Vorstandsvorsitzender von Collégien.

Die Jacken-Kollektion des Hamburger Labels Derbe basiert einerseits auf Organic Cotton und anderseits auf recyceltem Polyamid oder recyceltem Polyester, um damit eine möglichst ressourcenschonende, umweltverträgliche Produktion von synthetischen Chemiefasern zu ermöglichen. Auf ihrer Website betonen sie, dass ihnen wichtig ist, sich kritisch mit dem Chemikalienmanagement und den entsprechenden Prozessen in der Nachbehandlung der Materialien, der Nassausrüstung, dem Färben sowie dem Drucken auseinanderzusetzen. «Wir entwickeln uns Schritt für Schritt weiter und arbeiten kontinuierlich daran, unsere Kleidung umweltverträglicher und sozial gerecht herzustellen,» schreibt das Label.

Bei Molemin wirst du auch weiterhin neben Produkten aus neuen Materialien eine Auswahl an Produkten finden, die ganz oder teilweise aus recycelten Materialien sind. Natürlich ist das Gesamtpaket wichtig: hohe Qualität, schöne, modische Kleider und eine wirklich nachhaltige Produktion. Ein schonender Umgang mit Umwelt, Mensch und Ressourcen ist uns sehr wichtig.

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